3 ultimative Tipps für Foto-Einsteiger, die wirklich lernen wollen.

Obwohl “noch nie soviele Fotos wie heute gemacht werden” bricht der Markt besonders für Kompaktkameras weg. Eine separate Kamera braucht man heute kaum noch, die ist doch sowieso ins Smartfon eingebaut.

Kaufe keine Einsteigerkamera.

Kaufe keine Einsteigerkamera.

Trotzdem steht bei vielen Leuten noch immer eine “richtige Kamera” auf dem Wunschzettel und hochwertige Vollformatkameras liegen mit 2.000 bis mehr als 4.000 Euro deutlich über dem Preisniveau von Handys und werden immer beliebter — wie paßt das zusammen? Doch als Einsteiger kannst du mit deutlich weniger Geld zum Ziel kommen, mit erheblichem Gewinn bei der Qualität. Und das macht Spaß!

Wo liegt der Fuchs begraben? Fotos im Sinne einer physikalischen Abbildung werden ständig gemacht, aber meist ohne Qualitätsanspruch oder künstlerische Interpretation — das nennt man knipsen. Schnell bei Facebook oder Instagram hochladen, schmunzeln — und vergessen. Wenn du dagegen ein Foto haben möchtest, das in 60 × 80 cm an der Wohnzimmerwand hängen soll, mußt du fotografieren . “Leider” ist es noch immer so, daß dazu profundes Wissen, vernünftiges Handwerkszeug — sowie Lernen und Erfahrung gehören. Das ist nicht vom Geldbeutel abhängig. Nicht selten werden m. E. falsche Ratschläge gegeben.

(1) Kaufe als Einsteiger keine “Einsteigerkamera”

Oft wird Einsteigern der Rat gegeben, eine “Einsteigerkamera” zu nehmen — und man meint damit eine einfache Schnappschußkamera. Damit kannst du zwar bis zu einem gewissen Grad üben, Motive zu erkennen, aber bei der kreativen und gelungenen Umsetzung stößt du sehr schnell an die Grenzen. Das Ergebnis ist Frust. Vor allem lernst du nicht die Technik dahinter kennen und verstehen! Ja, Profis können auch mit einer Einsteigerkamera beeindruckende Fotos machen, aber dies nur, weil man als Profi die Grenzen kennt und entsprechend handelt! Doch du stehst ja am Anfang.

Wenn du es wissen willst, dann besorge dir eine möglichst analoge Spiegelreflex ohne Belichtungsautomatik, ohne AF und mit zwei oder drei Festbrennweiten. Wenn du nicht langfristig analog fotografieren möchtest, reicht es eine solche Kamera zu leihen und ein halbes Dutzend Filme zu belichten. Die vielen “Einschränkungen” zwingen dich, sich mit der grundlegenden Technik auseinanderzusetzen, gerade weil du nicht gleich nachgucken kannst ob das Bild gelungen ist. Bewußt und sorgfältig zu arbeiten, ist ein Schlüssel zu guten Fotos. Wenn dir ein “alter Hase” zur Seite steht, ist die Lernkurve am steilsten.

Wenn dir das zu aufwendig erscheint, kann man auch bei einer modernen digitalen Spiegelreflex alle Automatiken abstellen — da sie aber da sind, gibt es allerdings immer die Verführung “nur mal ganz kurz” umzuschalten…

Eigenwerbung: Warum “Das Praxisbuch zum Workflow” Buch in die Hand nehmen? Dieses Buch geht davon aus, was du machen möchtest: Nämlich Bilder zu bearbeiten und Spaß an der Fotografie zu haben! Du erfährst, was du machen mußt und wie du es machen mußt, um Bilder mit Lightroom zu organisieren, toll zu bearbeiten, schnell wiederzufinden — und stolz darauf zu sein. — Aktualisierte Ausgabe 2016.

(2) Gib nicht dein ganzes Geld für die Kamera aus

Die ersten Schritte in Sachen Fotografie mache ich mit der vom Papa geliehenen Kamera — natürlich komplett manuell. Dann bekomme ich überraschenderweise eine Spiegelreflexkamera geschenkt — natürlich nur mit einem “Normalobjektiv” von 50 mm. Für das weitere Zubehör spare ich mehrere Jahre und schaffe besonders Objektive Stück für Stück an, analog zu meinem Knowhow und gewachsenen Bedürfnissen. Die heutige Konsumgesellschaft verführt dich genau zum Gegenteil: Das Kit mit drei Zoom(!)-Objektiven, natürlich alles vollgestopft mit Elektronik. Heute im Angebot und mit zinsloser Teilzahlung verführt dazu, schnell zu kaufen und mehr auszugeben als “geplant”. Wichtig: Lege vor dem (ersten) Kauf unbedingt ein Budget fest — und gebe höchstens 50 Prozent davon für das Kameragehäuse aus.

Technik kann man nicht auf Vorrat kaufen. Merke: Durch den im Kameragehäuse fest verbauten Sensor verliert gerade das Gehäuse (body) schnell an Wert (obwohl das kaum gerechtfertigt ist), deshalb ist gebraucht durchaus eine ehrliche Alternative. Gute Objektive dienen nicht nur der Bildqualität, sondern sind oft wertstabil (besonders gute Festbrennweiten, weniger “Reisezooms”). Du kannst sie später zu einer “besseren” Kamera mitnehmen oder mit wenig Verlust verkaufen. Davon profitierst du aber nur bei gezielter Anschaffung. Eine Spiegelreflex ist als Basismodell ab 300 Euro oder gebraucht ab 150 Euro erhältlich — kein Kostenargument für eine “billige” Schnappschußkamera, die mit Schickimicki sogar teurer sein kann.

Gern übersehen werden “Nebenkosten”: Du brauchst mindestens einen Reserveakku, eine Speicherkarte, eine Tasche, später Kleinigkeiten wie ein Stativ, Fernauslöser usw. usf. Und nur mit gezielter Bearbeitung — Entwicklung, nicht Manipulation — kommst du zu wirklich tollen Bildern: Computer, besonders der Monitor, Software gehören langfristig auch dazu. Doch lasse dich auf der anderen Seite bitte nicht zu einer Materialschlacht verführen!

(3) Sei geduldig und experimentierfreudig

Man kennt die Angeber mit den fetten Kameras, die viel erzählen und bei denen man kaum Bilder zu sehen bekommt. Ausrüstung allein macht es nicht! Du mußt dich kontinuierlich mit dem Thema auseinandersetzen, wobei Technik, Wissen, gestalterische Absicht und Motiv ständig ineinandergreifen. Wenn du die Technik dahinter verstehst, vermeidest du Fehler bei der Aufnahme. Und: Wenn du die Technik verstehst, entdeckst du auch neue Möglichkeiten. Damit erschließst du auch andere Motive und interessante Möglichkeiten, diese in Szene zu setzen. Fotografisch sehen lernen heißt einerseits Motive zu erkennen, andererseits noch vor dem Druck auf den Auslöser auch an die Umsetzung zu denken. Die “richtige” Belichtung ist eben mehr als nur die Steuerung des Lichteinfalls auf den Film bzw. Sensor, denke an Schärfentiefe oder Mitzieheffekte als gestalterische Elemente. Das ist ein Kreislauf, der sich langsam entwickelt.

Wichtig ist auch das Feedback: von Betrachtern, die einfach nur Bilder sehen, aber auch von Leuten die etwas von Fotografie verstehen. Und zum Schluß gibt es noch zwei alte Weisheiten: “Übung macht den Meister” und bis dahin mußt du “Lehrgeld bezahlen”. Plane deshalb bis zur ersten Ausstellung nicht in Tagen, sondern in Jahren.

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