Die Qual der Wahl — Bilder in Lightroom sichten.

Nach einer Fotoexkursion zum Hamburger Hafen mit Fotofreund Uli kehre ich um 2 Uhr morgens nach Hause zurück. Obwohl ich vor Neugier platze, wie die Bilder geworden sind, falle ich dennoch todmüde ins Bett. Für das Sichten der rund 400 Bilder ist es sowieso besser, wenn ich konzentriert bei der Arbeit bin.

Fotos Sichten -- Freude und Last zugleich...

Fotos Sichten — Freude und Last zugleich…

Zugegeben, zu Analogzeiten wäre ich wahrscheinlich mit ein oder zwei 36er Filmen ausgekommen. Jetzt sind es tendenziell “zu viele” Bilder, weil man ja auch experimentierfreudiger geworden ist. Und das ist die Stärke von Lightroom gegenüber vielen anderen Programmen: Mit dem richtigen Workflow ist das Sichten vieler Bilder kein Problem. Je nach Motivation bin ich in maximal in einer Stunde durch.

Exemplarisch stelle ich meinen Workflow vor.

Schritt 1: Bilder importieren

Schon beim Import der Fotos werden die ersten Kriterien gesetzt. Dazu verwende in der rechten Seitenleiste folgende Funktionen:

  1. Im Abschnitt “Während des Importvorgangs anwenden” vergebe ich im Feld “Stichwörter” globale Schlagwörter, also potentielle Suchbegriffe, die prinzipiell auf alle Bilder zutreffen.
  2. Im Abschnitt “Ziel” sorgt “Ordnen –> Nach Datum” dafür, daß die Bilder automatisch in einem Tagesordner landen.

Vorsicht, bei Aufnahmen über die “Geisterstunde” (Mitternacht) hinaus: dabei werden Bilder von Nachtsessions auf zwei Ordner verteilt. Ich schlage die Bilder nach Mitternacht später durch manuelles Verschieben dem ersten Ordner zu. Beim Sichten mußt du dich nach einem Import allerdings nicht durch mehrere Ordner wühlen. Die automatisch angelegte Sammlung “Vorheriger Import” schert sich nicht ums Datum, sondern beinhaltet alle Bilder als eigene Auswahl.

Schritt 2: Erbsen zählen…

Ich bleibe im vorherigen Import und sortiere wie Aschenputtel: die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.

  1. Schlechte Bilder — definitiv unscharf, verwackelt, peinlicher Gesichtsausdruck usw. — werden per [X] abgelehnt.
  2. Bilder, die mir gefallen erhalten je nach Potential in der Regel zwischen 1 und 3 Sternen, ganz selten 4, praktisch nie 5.

Dieser Durchgang befriedigt natürlich auch die erste Neugier. Beim ersten Durchgang bewerte ich oft noch moderat, nach mindestens einmal “überschlafen” gibt es auf jeden Fall eine strengere Nachlese.

Schritt 3: Nachlese

Weil das Digitalbild ja praktisch “nichts kostet”, wird tendenziell zuviel fotografiert und weil Speicherplatz ja auch nichts kostet zuviel aufgehoben. Leider behindert dies oft die Sicht auf die guten Aufnahmen — weiteres Aussortieren ist gefragt. Dazu gehören beispielsweise Variationen.

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  1. Prinzipiell Schritt 2 wiederholen: Noch ein paarmal [X] gedrückt (notfalls mit [U] zurück nehmen), Sterne hinterfragen, Auf- oder Abwertung.
  2. Varianten erhalten erstmal die gleiche Bewertung… (siehe Schritt 4)
  3. Spätestens nach dieser Runde mit [Strg] [Backspace] die abgelehnten Bilder löschen, damit sie nicht immer wieder im Entscheidungsprozeß auftauchen und Zeit kosten.

Schritt 4: Detailfragen

Manchmal stößt man auf sehr ähnliche Aufnahmen, wo es schwer ist, sich für eine zu entscheiden. — Macht nichts Speicherplatz hat man ja genug, man kann ja beide behalten. Das blöde ist nur, daß du bei späterer Durchsicht dir immer wieder diese Frage stellen wirst und so immer wieder Energie zur aufgeschobenen Entscheidungsfindung aufwenden mußt. Gleichzeitig ist dir die Aufnahmesituation — warum habe ich das Foto so gemacht — immer weniger präsent.

  1. Einfacher Vergleich: zwei Bilder auswählen und mit “compare[C] vergleichen. Vorteil: Wenn du in eines der Bilder klickst, wirkt die Lupe — und zwar synchron auf beide Bilder.
  2. Übersicht: Du hast eine Serienaufnahme gemacht und hast deutlich mehr als zwei Bilder zur Auswahl. Auch hier “beliebig” viele Bilder auswählen und stattdessen die “Übersicht” [N] aktivieren: Es werden jetzt im Leuchtpult nur die ausgewählten Bilder angezeigt und durch das Schließen-Symbol rechts unten kann man einzelne Bilder aus dieser Übersicht entfernen.
  3. Außerdem fange ich an, Stichworte für Gruppen oder Einzelbilder zu verfeinern. Sind Personen wichtig, spielt auch die Gesichtererkennung ab hier eine Rolle.

Je nach Menge der Bilder taste ich mich so an die besten Bilder heran und wechsele auch zwischen den Methoden. Eine große Hilfe ist dabei ein zweiter Monitor, der parallel Übersicht und Detailansicht ermöglicht.

Schritt 5: Filter

Obwohl ich jetzt schon relativ viel Aufwand betrieben habe, arbeite ich noch immer im Katalog und sehe mir unbearbeitete Bilder an. Damit ich jetzt endlich auch ein paar Bilder zum Vorzeigen und für meine Projekte bekomme, schalte ich zusätzlich den Filtermodus [Strg] [L] ein: Je nach Menge oder Lust und Laune ist das Hauptfilterkriterium die Anzahl der Sterne, also 2 oder 3. Durch diese Auswahl gehe ich wieder durch die Bilder.

  1. Bilder, die ich später richtig toll ausarbeiten möchte, markiere ich in diesem Durchgang auf ganz andere Weise: ich lege eine virtuelle Kopie [Strg] [T] an.
  2. Bevor es mit der Entwicklung losgeht, wird der Filter weiter “verschärft”: zu den Sternen kommt jetzt das Kriterium “virtuelle Kopie”.
  3. Nach der Ausarbeitung werden die Bilder auf 4 oder 5 Sterne aufgewertet.

Nach diesem Durchgang bleiben rund ein Dutzend Bilder übrig, die ich bevorzugt ausarbeiten möchte (der Rest wird natürlich nicht gelöscht).

Tipp: Durch die konsequente wie sparsame Vergabe von 4 und 5 Sternen kann ich über eine Smart-Sammlung jederzeit eine Auswahl meiner besten Bilder generieren. Diese läßt sich als Bild exportieren oder für eine Diaschau und Webgalerie nutzen.

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