Fremdgehen mit Micro Four Thirds (Lumix GM1 | Teil 4) [Update]

Eigentlich kaufe ich die Lumix GM1 ja, weil ich eine kleine “immer dabei”-Kamera haben möchte, die gleichzeitig ordentliche Qualität ermöglicht. Doch eine spiegellose Systemkamera lädt natürlich immer auch zum Experimentieren ein.

Lumix GM1 mit Industar 50 mm Vollformat.

Lumix GM1 mit Industar 50 mm Vollformat.

Neben einer handlichen Alternative zum etwas umständlichen Standardzoom habe ich ja eine reichhaltige Auswahl an vorhandenen Objektiven aus mehr als 30 Jahren Fotoerfahrung. Und wenn man schonmal dabei ist, dann wird alles ausprobiert, was eine Linse hat.

Trotz der 2 mm — effektiv 4 mm in Relation zu KB — mehr Weitwinkel liebäugele ich mit einem “Standardobjektiv” 14 – 42 mm. Doch dies ist sowohl bei Lumix als auch Olympus selbst in der Parkposition ein gewaltiger Brocken (lediglich das motorisierte Powerzoom ist relativ klein).

Lumix 12-32 mm, Olympus 17 mm und Olympus 14-42 mm.

Lumix 12-32 mm, Olympus 17 mm und Olympus 14-42 mm.

Ich probiere das Kit-Objektiv von einer Olympus. Dabei müßte ich allerdings auf Bildstabilisierung verzichten, was ja gerade dem Telebereich und den abendlichen Schnappschüssen abträglich wäre. Und letztlich sind 42 mm auch nicht der große Sprung nach vorne. — Einen Überblick passender Objektive bietet die Website “MFT Objektiv-Datenbank“.

Die Objektive brauchen Platz...

Die Objektive brauchen Platz: Lens Cap, Standardzoom, 50 mm Vollformat mit Adapter.

Objektivdeckel mit Linse

Eine extreme Variante ist das “Lens Cap” von Olympus mit 15 mm Brennweite. Es ist als “Objektivdeckel” nicht ganz so schlimm wie es sich anhört, denn es hat immerhin 3 Linsen in 3 Gruppen, wiegt 22 g und ist schlanke 9 mm dick. Auch die feste Blende f8 sowie die manuelle Entfernungseinstellung zwischen 30 cm und unendlich ist nicht das Problem. Ärgerlich dagegen, daß zu dem stolzen Preis nur ein Plastikfinish gibt (auch im Bajonett) und keine Exif-Daten gesendet werden, beispielsweise über einen festen Chip der Typ, Brennweite, die feste Blende übermittelt — dies kannst du notfalls mit dem Lightroom-Plugin “Lens Tagger ” manuell nachholen.

Der Schiebeschalter, der zwischen geschlossen, unendlich und 30 cm wechselt, ist sehr leichtgängig: Wenn du trotz “Fixfokus” die Entfernungseinstellung etwas anpassen möchtest, rutscht der Schieber gern über unendlich hinaus auf geschlossen. Zwar schaltet sich die Kamera — mangels Elektronik im Objektiv — nicht gleich aus, aber eine blinde Bedienung für Schnappschüsse ist so kaum möglich.

Alte Schätze mit M42 & Co.

Das großzügige Auflagemaß der MFT öffnet weit das Tor für Adapterlösungen. Am einfachsten geht es mit dem bewährten M42, aber auch für alle anderen analogen Anschlüsse gibt Lösungen. Auch moderne “digitale” Objektive lassen sich meist anschließen — vom elektronischen Schnickschnack profitierst du dagegen nicht. Im Gegenteil:: Während du bei alten analogen Modellen über den Blendenring die Blende problemlos steuern kannst, hast du beispielsweise bei den elektronischen Varianten ohne Blendenring keine Chance und kannst nur Offenblende nutzen.

Auch die manuelle Entfernungseinstellung ist bei alten Objektiven deutlich besser möglich, da sie ja für manuellen Betrieb gedacht sind: der Schneckengang ist lang ausgelegt, so daß präzise eingestellt werden kann. Bei AF-Objektiven ist es genau umgekehrt, so daß jede Zuckung die Einstellung verschiebt.

Schade, daß es keine Adapter mit Chip für Exif-Daten gibt (ähnlich Canon EOS). Apropos: Es gibt wohl vereinzelt Modelle, die auch eine elektronische Steuerung übernehmen sollen, aber Preis und Leistung sind m. E. unbefriedigend.

Objektive für die Lumix -- ohne und mit Adapter.

Objektive für die Lumix — ohne und mit Adapter.

Ich verwende aus meiner analogen Sammlung gern das 50er mit Lichtstärke f1,8, was auf MFT ein lichtstarkes 100er ergibt. Bei der Scharfeinstellung hilft das Focus Peaking der GM1, bei anderen Modellen mußt du die Bildschirmlupe verwenden und nach Sicht einstellen. Die Blende kann ich direkt am Blendenring einstellen, wobei das Sucherbild automatisch aufgehellt wird, so daß die freie Sicht bleibt. Natürlich dauert diese Einstellerei ihre Zeit, die Bildqualität ist aber sehr gut. Gerade mit einer zierlichen Kamera wie der GM1 würde ich aber nicht über 100 mm hinausgehen, schon die bewährten 135 mm sind in der Handhabung eher hakelig.

Fremdobjektive

Objektive von Drittanbietern sind rar, aber im Gegensatz zu den vielen anderen Eigenlösungen immerhin vorhanden. Leider habe ich noch keines in der Praxis testen können.

  • Sigma bietet Festbrennweiten 19 mm, 30 mm und 60 mm in der Preisspanne 160 Euro bis 390 Euro an. Tamron versucht sein Erfolgskonzept der Superzooms mit 14-150 mm für 425 Euro an den Mann zu bringen. Aus Lumix-Sicht bleibt immer die Frage, inwieweit eine Bildstabilisierung im Objektiv zur Verfügung steht.
  • Walimex (aka Samyang oder Rokinon) verfolgt auch bei MFT das Adapterkonzept, Objektive werden rein mechanisch mit der Kamera verbunden. Es gibt 7,5 mm, 12 mm, 35 mm, 85 mm oder 650-1300 mm für Preise zwischen 300 und 500 Euro. In Anbetracht des Filterdurchmessers zum Beispiel beim 35er mit 77 mm(!), könnte man wahrscheinlich gleich “normale” Objektive kaufen bzw. weiterverwenden und per Adapter anschließen. Eine Gewichts- oder Preisersparnis ist m. E. gering.
  • Auch Voigtländer ist bei MFT mit zur Zeit vier Objektiven dabei. Da MFT einen Crop-Faktor von 2 hat, sind es eher kurze Brennweiten mit 10,5 mm, 17,5 mm, 25 mm sowie 42,5 mm (jeweils physikalisch). Gemein ist allen die Lichtstärke von f0,95 bei 10 Blendenlamellen und Preisen um die 1.000 Euro.

Auch Voigtländer fertigt MFT-Objektive. (Quelle: Screenshot Homepage)

Auch Voigtländer fertigt MFT-Objektive.
(Quelle: Screenshot d. Homepage)

Fazit “fremde” Objektive

Das schöne einer Systemkamera ist, daß man wie bei einer Spiegelreflexkamera das Objektiv austauschen und so experimentieren kann. So tausche ich das Standardzoom recht häufig gegen eine handliche Festbrennweite. Wegen des großzügigen Auflagemaßes kannst du per Adapter fast alles anschließen, was eine Linse hat. Dies lohnt sich m. E. aber nur, wenn du dabei auf vorhandenes Equipment zurückgreifen kannst. Für 800 oder weit über 1.000 Euro ein Fremdobjektiv zu kaufen, das dann nur mechanisch an die Kamera angeschlossen wird und weder AF noch Blendensteuerung unterstützt, halte ich für Unsinn. Wegen des Cropfaktors taugen gerade alte 50er mit f1,8 und besser bei MFT als lichtstarke Teleobjektive, aber die manuelle Scharfeinstellung sollte nicht unterschätzt werden. Die Bildschirmlupe macht langsam, Focus-Peaking ist gewöhnungsbedürftig (und m. E. nicht so effektiv wie Schnittbild usw.). Mehr als physikalische 100 mm — auf MFT “200 mm” — würde ich nicht verwenden, und dann sicherheitshalber schon ein Stativ nutzen. Im Makrobereich kannst du dagegen auf das “alte Zeug” zurückgreifen, das war schon immer weitgehend manuell. Dank elektronischer Steuerung via OTG oder WLAN kannst du dich ggf. vom Tablett-PC unterstützen lassen.

Nach meiner umfangreichen Recherche werde ich mich auf zwei bis drei original MFT-Objektive beschränken und auf mein vorhandenes Equipment per Adapter zurückgreifen.

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