Nik Collection für lau — einem geschenkten Gaul kritisch ins Maul geschaut.

Wer sich mit digitaler Bildbearbeitung beschäftigt, ist die Nik Collection ein Begriff. Es handelt sich um eine Sammlung Bildfilter von Schwarzweiß über Effekte bis zur Schärfung.

NIK Collection: HDR Efex

Nik Collection: HDR Efex.

Ursprünglich kostet jedes Einzelpaket im dreistelligen Euro-Bereich, wird dann von Google übernommen und bis vor kurzem sehr preiswert verkauft. Seit Ende März 2016 kannst du das Paket komplett und kostenlos herunterladen (wer sie erst kürzlich gekauft hat, soll automatisch eine Erstattung bekommen). Hört sich zunächst gut an ist allerdings gleichzeitig auch den Todesstoß für die Software. Wie schon Picasa fällt die Software der neuen “Strategie” zum Opfer und wird nicht mehr weiterentwickelt. Das heißt, mit aktueller Software kann man sie noch verwenden, doch langfristig wird Sicherheitslücken und Inkompatibilität zu rechnen sein.

Die Nik Collection umfaßt folgende Module:

  1. Analog Efex Pro: Entdecken Sie den Look und die Atmosphäre klassischer Kameras, Filme und Objektive.
  2. Color Efex Pro: Ein kompletter Satz an Filtern für Farbkorrektur, Retusche und kreative Effekte.
  3. Silver Efex Pro: Meistern Sie die Kunst der Schwarz-Weiß-Fotografie – mit Steuerelementen, die von den kreativen Möglichkeiten der Dunkelkammer inspiriert wurden.
  4. Viveza Viveza: Passen Sie Farbe und Tonwert Ihrer Bilder selektiv an – ohne komplizierte Masken oder Auswahlen.
  5. HDR Efex Pro: Von natürlich bis künstlerisch – entdecken Sie das ganze Potenzial der HDR-Fotografie.
  6. Sharpener Pro: Arbeiten Sie versteckte Details gleichmäßig heraus: mit der Schärfungssoftware der Experten.
  7. Dfine Dfine: Verbessern Sie Ihre Bilder mit einer exakt an Ihre Kamera angepassten Rauschreduzierung.

(Quelle: Google a. a. O.)

Installation

Die Software ist sowohl für Windows Vista, Windows 7, Windows 8 als auch Mac OS X 10.7.5 bis 10.10 verfügbar und arbeitet mit folgenden Versionen zusammen:

  • Adobe Photoshop CS4 bis CC 2015
  • Adobe Photoshop Elements 9 bis 13
    (ausgenommen HDR Efex Pro 2, das nicht mit Photoshop Elements kompatibel ist)
  • Adobe Photoshop Lightroom 3 bis 6/CC

Weil NIK auch Capture NX für Nikon entwickelt hat, sollen die Filter auch damit kompatibel sein (stimmt das?). Ausgeführt ist die Nik Collection als 8bf-Filter-Plugin für Photoshop (was zum Teil auch von anderen Grafikprogrammen verwendet wird, z. B. Irfanview). Soweit ich das überblicke findet sich aber in jedem Programm-Ordner auch eine EXE, so daß du die “Filter” auch eigenständig nutzen kannst.

Installation ist für mehrere Anwendungen möglich.

Installation ist für mehrere Anwendungen möglich.

Der Download umfaßt etwa 430 Megabyte. Achtung, angezeigt werden bei der Installation alle “kompatiblen” Programme. Das heißt nicht, daß die Software automatisch dort überall installiert wird. Willst du es mehrfach installieren, mußt du dies über das Pluszeichen unterhalb der Box explizit angeben. Trotzdem ist die Installation hakelig, viele Nutzer berichten von Problemen, nämlich daß die Programme in Lightroom nicht auffindbar sind. Auch bei mir erscheint zunächst nur HDR Efex, das laut Anbieter sowieso anders konzipiert sein soll. Als Abhilfe sollst du den “vorgeschlagenen” Installationspfad nicht ändern (was ich allerdings gemacht habe). Außerdem scheint es problematisch, wenn du — m. E. sinnvollerweise — deine Presets beim Katalog speicherst, wobei die NIK-Installation durcheinander zu kommen scheint. Wenn du dies unter “Bearbeiten|Voreinstellungen” –> Vorgaben|Speicherort bzw. [Strg][U] änderst, findest du die komplette Sammlung im Kontextmenü “Bearbeiten in…”.

Die Installation scheint Glückssache...

Die Installation scheint Glückssache…

[Tipp] Da ich mein Preset-Verzeichnis nicht ändern/abschalten möchte, probiere ich es umgekehrt: Ich verschiebe/kopiere den Ordner “Nik Collection” aus dem “Programme”-Verzeichnis (Windows) einfach in den Ordner “Lightroom-Einstellungen|Export-Presets” auf die Katalog-Festplatte. Violà, alle Filter finden sich im Export-Formular. Da sind momentan zwar einige Einträge doppelt oder deaktiviert, das liegt aber vermutlich an den doppelten 32- und 64-Bit-Versionen.

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Anwendung

Wie ich schon öfter angemerkt habe, stört mich im Zusammenhang mit Lightroom der Begriff “Plugin”. Ein echtes Plugin müßte meines Erachtens sich nahtlos in die rechte Seitenleiste bei Lightroom einfügen ohne andere Funktionen zu beeinträchtigen. Auch bei der Nik Collection handelt es sich wieder um ein post processing, daß die RAW-Entwicklung definitiv beendet, im Prinzip einen Export durchführt, dabei ein temporäres TIF oder JPG anlegt, dies vollkommen unabhängig von LR bearbeitet und als TIF zurückgibt. Im Grunde genommen ist dies eine intelligent angewandte Funktion “Nachbearbeitung” des Export-Formulars — in Photoshop mag das im Detail anders aussehen.

Nik Collection: Silver Efex Nik Color Efex | Solarisation

Nik Collection: Silver Efex sowie Color Efex mit Solarisation.

In den einzelnen Modulen kannst du auf der linken Seite Bearbeitungseinstellungen an Hand von Vorschaubildern aussuchen und ggf. in der rechten Seitenleiste die Parameter ändern. Zunächst werden die Einstellungen global angewendet, eine klassische Werkzeugleiste gibt es nicht…

Nach dem Klick kannst du mit Kontrollpunkten weiterarbeiten.

Nach dem Klick kannst du mit Kontrollpunkten weiterarbeiten.

Du mußt den entscheidenden Hinweis kennen: Kontrollpunkte dienen der lokalen Steuerung. Dabei wird generell eine Kreisfläche aufgezogen, wobei der Filter “errät”, was wohl gemeint sein soll — er wirkt nicht exakt in dem Kreis… So mußt du ggf. eine große unregelmäßige Fläche aus mehreren Kreisen zusammenstückeln. Gleichzeitig erscheint an jedem Mittelpunkt eine Art Kontextmenü aus Schiebereglern, mit denen du Parameter des Filters steuern kannst.

Silver Efex anschließend Color Efex

Vorbereitung in LR, “Veredelung” in Silver Efex und Color Efex.

Die ganze Arbeitsweise hat nichts mit Lightroom zu tun, eher mit dem antiquierten (Filter-) Konzept von Photoshop. Solange du im Modul bist, kannst du über die Kontrollpunkte oder das Protokoll noch Schritte ändern oder rückgängig machen. Mit dem Speichern ist damit Schluß, in LR findest du ein fertig eingebranntes TIF.

Fazit Nik Collection

Ich will kein Spielverderber sein, wenn man eine Software statt für ursprünglich 500 Dollar nun “für umsonst” bekommt. Oft habe ich Lob speziell zu Silver Efex gehört. Die Nik Collection scheint mir aber eher als Erweiterung der Fotomöglichkeiten speziell für ältere Photoshop-Versionen konzipiert zu sein (siehe Umsetzung als “8bf”), die m. E. trotz des Namens für Foto-Bearbeitung immer schlechter zu handhaben ist. Bei der Nutzung mit Selective Tool für Nik CollectionPhotoshop erscheint entsprechend ein “Selective Tool”, das eine komfortablere Handhabung als mit Lightroom ermöglicht.

Selective Tool für Nik Collection.

Bei Lightroom ist es ist es dagegen ein simples post processing, bei dem anschließend eine Menge Vorteile von Lightroom und der RAW-Bearbeitung flöten gehen — destruktiv und nicht umkehrbar. Vor allem über alle sieben Module gesehen ist die Collection eine eher ermüdende Masse an Effekten, von denen nur ein Bruchteil heraussticht. Im Gegenteil, da Lightroom ja sehr viel stärker auf Demosaicing spezialisiert ist als Photoshop, kann man m. E. die wirklich wichtigen Dinge und kleine Effekte mit Bordmitteln direkt in LR erledigen ohne Kompromisse machen zu müssen. Als Unterstützung können dabei LR-eigene Presets (Vorgaben) viel hilfreicher sein. Dazu kommt die hakelige Installation und auch bei PS soll es Probleme geben.

Insgesamt erinnert mich die Nik Collection stark an eine 1-Klick-“Bearbeitung” à la “Color Projects“, wie lange sollen Effekte vom Bild ablenken (kennt noch jemand Kais Power Goo?). Wenn du unverbindlich mit den Filtern herumspielen und experimentieren willst, verwende doch einfach direkt die EXE-Dateien, komplett unabhängig von Lightroom oder Photoshop.

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