Gibt’s nicht noch was flacheres? (Lumix GM1 | Teil 3)

Bei meiner Recherche fällt die Entscheidung zu Gunsten der Lumix GM1 , weil sie fast so flach wie eine übliche Schnappschußkamera ausfällt, bei der Bildqualität aber verdammt nah an der Spiegelreflexkamera ist.

Erkannt? Links Vollformat, rechts MFT.

Erkannt? Links Vollformat, rechts MFT.

Allerdings enttäuscht das Standardzoom 12 – 32 mm von der Größe — nur in der Parkposition macht es sich einigermaßen schlank, im Betriebsmodus fährt es deutlich aus… Was gibt es für Alternativen?

Micro Four Thirds ist ja auch angetreten, Spiegelreflexqualität handlich zu machen. Bei den Gehäusen ist dies auch gelungen, wie besonders die GM1 eindrucksvoll belegt. Doch bei den Objektiven kann man die Physik nicht überlisten. Das Bild oben zeigt zwei Objektive im Vergleich: Links ein vollwertiges 50-mm-Vollformat, rechts das Vario G MFT Standardzoom für Lumix, beide in Betriebsposition.

Vergleich: MFT und APS C.

Vergleich: MFT und APS C.

Okay, der Vergleich hinkt vielleicht etwas, da es sich beim 50er um eine Festbrennweite handelt. Im Vergleich mit einem Zoom für eine Spiegelreflexkamera sieht es natürlich etwas anders aus (und das ist mit APS C sogar noch ein bißchen kleiner als entsprechende Vollformate). Die Lichtstärke ist übrigens bei beiden Zooms gleich schwach: 3,5 – 5,6 fürs MFT von Panasonic, 4,5 – 5,6 fürs Canon EF-S. Ärgerlich, daß auf fast allen Fotos — besonders in Shops und oberflächlichen Tests — das Panasonic-Zoom nur in der kurzen Parkposition gezeigt wird.

Pancake für noch mehr flach

Das macht das Handlichkeitsargument fast zunichte… Das konnte man schon vorher absehen, weshalb ich von Anfang an auf ein echtes “Pancake” schiele — gern mit fester Brennweite im leichten Weitwinkelbereich und als “Zugabe” mit hoher Lichtstärke. Doch da gibt es ein Problem: Anscheinend wird die GM1 nicht separat als preisgünstiges Gehäuse angeboten. Bei Amazon ist der Gehäusepreis praktisch identisch mit dem Setpreis inkl. Standardobjektiv. Lediglich im Gebrauchtmarkt taucht B-Ware beim Händler für etwa 250 Euro auf, aber mit unklaren Garantiebedingungen. Also bleibt es erstmal bei Set…

Jetzt heißt es auf das Zweitobjektiv sparen, schließlich ist es ja eine Systemkamera. Dabei lohnt es sich, auch einen Blick zur Konkurrenz zu werfen. Von Panasonic kommen zwei Objektive in Frage, interessant ist auch ein Kandidat von Olympus:

  • Panasonic 20 mm / F 1,7 LUMIX G II, ca. 290 Euro — mit 40 mm KB-Äquivalent fast schon ein “Normalobjektiv”, dafür aber mit sehr guter Lichtstärke.
  • Olympus M.Zuiko Digital 17 mm 1:2.8, ca. 230 Euro — also etwa 34 mm Bildwinkel. Preislich ist das natürlich ein Argument, Brennweite paßt, die Lichtstärke ist in Ordnung (gegenüber dem Zoom).
  • Lumix G F2,5 / 14 mm, ca. 330 Euro: Mit umgerechnet 28 mm recht weitwinkelig und mit noch ordentlicher Lichtstärke. In dieser kleinen Übersicht allerdings auch das teuerste Objektiv.

Es ist ja nicht nur ärgerlich, daß das Zoom im Betrieb deutlich ausfährt. Das eigentliche Problem ist, daß du es vor der Benutzung manuell in diese Betriebsposition bringen mußt. Damit kann man die Kamera nicht “mal eben” aus der Tasche ziehen und loslegen oder du mußt es ausgefahren bereit halten…

Olympus BCL-1580

Aber nochmals mindestens 230 Euronen? Geht nicht noch etwas anderes? Weitere Möglichkeiten: Von der Brennweite könnte es ein Pancake sein (steht so auch in der Amazon-Beschreibung), aber wie das heutzutage bei lichtstarken Objektiven so ist, ist es ein richtig fetter Brocken: Olympus M.Zuiko Digital 17mm 1:1.8, mit rund 475 Euro allerdings auch preislich. Objektivdeckel mit Linse: Olympus BCL-1580.Von Olympus gibt es übrigens ein M.ZUIKO DIGITAL 14 – 42 mm (f 3.5-5.6), das platt wie eine Flunder ist und für ca. 290 Euro zu haben ist (vermutlich aber ebenfalls deutlich ausfährt). — Von Preis/Leistung scheine ich am o. g. Olympus 17 mm kaum vorbei zu kommen…

Flacher geht’s nicht: Body Cap mit 15 mm für 60 Euro.

Wenn du ganz hart gesotten bist, dann gibt es noch die “Body Cap Lens“-Lösung, 15 mm / f 8. Es handelt sich um eine Art Fixfokus-Objektiv und Objektivschutz. Flacher geht’s wohl kaum, aber der Preis von etwa 60 Euro ist doch beachtlich. Für maximal die Hälfte würde ich es ausprobieren. Darüber hinaus gibt es noch eine 8-mm-Fisheye-Variante, allerdings soll das fast 90 Euro kosten. Ich finde es als “entbündeltes” Schnäppchen für 40 Euro, was gerade noch akzeptabel ist.

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Lumix GM1 mit Olympus BCL-1580 Objektiv.

Lumix GM1 mit Olympus BCL-1580 “Objektiv”.

Ein richtiges Fixfokus ist es nicht, denn es bietet eine rudimentäre Entfernungseinstellung: 30 cm (d), um die 2 m (c) und unendlich (b). Trotz “sicherer” Werte mit viel Schärfentiefe bei 15 mm und Blende 8 mußt du die Fokussierung verwenden , denn sonst wird’s trotzdem unscharf. Das merke ich schnell, weil die GM1 zum Glück mit Focus Peaking ein Feedback liefert, andere erleben wohl eine böse Überraschung bei der Auswertung am großen Bildschirm und allein nach Sucherbild ist eine Scharfeinstellung m. E. nur bedingt möglich. EInstellungen BCL-1580 (Quelle: Anleitung BCL-1580)Dabei ist der Einstellhebel sehr leichtgängig und nach unendlich rutschst du leicht in die Position “Objektivabdeckung”. Trotz des Preises liefert es noch nicht einmal feste Exif-Daten zum Modell, so daß man es nachträglich nicht identifizieren kann. Durch das komplette Plastikdesign wirkt es haptisch recht billig.

Einstellungen BCL-1580
(Quelle: Anleitung BCL-1580)

Und was kommt dabei heraus? In der Leuchtpultübersicht von Lightroom sieht es erstmal “in Ordnung” aus. Bei näherer Betrachtung ist es m. E. aber nicht mehr als Handyqualität, je nach Entfernung, geglückter manueller Einstellung und Lichtverhältnissen… Das führt die ursprüngliche Idee ad absurdum: Ich kaufe mir die MFT ja, weil ich auch bei “Schnappschüssen” ein gewisses Niveau erzielen möchte. Selbst bei hoher Kompromißbereitschaft ist das keine Lösung. Zum Glück habe ich das “Objektiv” im Versandhandel gekauft, wo ich einen Artikel bei Nichtgefallen problemlos zurückgeben kann — was beim ewig jammernden Einzelhandel immer ein Drama ist..! Denn das “Olympus BCL-1580 Body Cap Lens 15mm” überrascht zunächst zwar mit der extrem flachen Bauweise und ist ggf. ohne aufwendiges Ausfahren sofort startklar — aber weder Handhabung noch Bild überzeugen (mich) leider nicht.

Echtes Pancake…

Also bleibt mir nicht anderes übrig, als doch noch mal tief in die Tasche zu greifen und ein richtiges Objektiv zu kaufen. Ein bißchen enttäuscht MFT auch hinsichtlich der Preisgestaltung: Billiger als Spiegelreflex ist das MFT bei weitem nicht. Ich suche ja ein 35-mm-Äquivalent und die in Frage kommenden Kandidaten liegen ungefähr in der selben Preisklasse wie mein geliebtes 35er für meine “fette” Canon.

Lumix GM1 mit Olympus 17 mm.

Lumix GM1 mit Olympus 17 mm.

In die engere Wahl kommen das 20er von Panasonic — zur Zeit 330 Euro — sowie das “billige” 17er von Olympus (z. Zt. ca. 230 Euro, generell ohne Bildstabilisierung). Da Panasonic die Bildstabilisierung ja über das Objektiv löst, hat es die Nase vorn — bis ich merke, daß dieses Objektiv gar keine Bildstabilisierung bietet. Nicht so schlimm, aber kein Grund 100 Euro mehr auszugeben. Daß Olympus-Objektive sonst mit der Lumix zusammenarbeiten, habe ich bei einem Fotoausflug mit Fotofreund Gerric ausprobieren können.

Der Größenvorteil bei MFT relativiert sich.

Der Größenvorteil bei MFT relativiert sich.

Das 17er von Olympus: Auf den ersten Blick funktioniert es gut und erfüllt den angestrebten Zweck. Vor allem im Größenvergleich punktet es, da für das schnelle Bild nicht aus einer Parkposition bewegt werden muß und auch im Betrieb nicht nennenswert ausfährt. Im Vergleich zum Gehäuse fällt es trotzdem groß aus. Wenn man kritisch hinsieht, muß ich einige Dinge bemängeln: Der Autofokus ist nicht ganz so fix wie die Lumix-Objektive (aber i. O.) und macht deutliche Geräusche. Ein wenig ärgerlich auch, daß im AFS-Modus (single ) — wo die Scharfeinstellung nur nach Antippen des Auslösers arbeiten soll — mehr oder weniger kontinuierlich fokussiert wird wie es für AFC (continuos) vorgesehen ist (sofern es nicht eine Macke meines gebrauchten Schnäppchens ist). Für Videos ist es nahezu unbrauchbar, da das Bild ohne Bildstabilisierung fast immer zappelt und und die o. g. Fokussiergeräusche mitaufgenommen werden. Ohne daß ich systematische Tests mache, scheint mir unter dem Strich die Schärfe aber nicht an mein Lieblingsgespann auf APS-C-Basis heranzukommen. Apropos: Das Oly hat einen manuellen Schärfering, der auch von der Lumix erkannt wird, denn dann wird automatisch zusätzlich eine Schärfeskala eingeblendet.

Fazit Pancake für Lumix

So eine kleine Kamera wie die MFT Lumix GM1 kann man nicht nur gut in die Tasche stecken, sondern sie wirkt auch gerade bei Alltagsfotografie weniger “bedrohlich”. Gleichzeitig bietet sie eine gute Qualität, wenn auch (subjektiv) nicht so wie meine sehr geschätzte EOS 50d (bei fast gleicher Pixelzahl). Das Zoom ist im Betrieb ziemlich groß, das “Body Lens Cap” BCL-1580 allerdings keine Alternative, vor allem nicht für den Preis. Vielleicht teste ich als “Spaß” noch das Fisheye, erwarte dabei aber auch keine echte Alternative. Schade, daß man die Lumix GM1 nicht solo bzw. im Set mit einem leichten Weitwinkel kaufen kann, wie dem 17er von Olympus. Das ist meine Kombination für “immer dabei”, auf Reisen und für Straßenfotografie (außer Video!), auch wenn das Objektiv an der Lumix mit dem Eigenleben des AF nicht perfekt harmoniert und die Schärfe leider nicht mit meinem Canon 35er vergleichbar ist.

Natürlich habe ich auch einen (M42-) Adapter und kann so eine Menge vorhandener Optiken anschließen — doch die machen die Kamera nicht zuletzt durch den Adapter größer, aber der erste Versuch mit meinem “alten ” 50er überzeugt mit beeindruckender Schärfe. Dazu später mehr. Zwischenbilanz: Als “immer dabei” überzeugt die Lumix, aber hinsichtlich der Bildqualität und Funktionalität muß meine Spiegelreflex nicht zittern.

Im vierten und letzten Teil über die Lumix GM1 und MFT geht es um “Fremdobjektive”, die per Adapter verwendet werden.

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