Auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau (Lumix GM1 | Teil 1)

Auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau könnte das Motto dieses Artikels lauten. Denn für gute Fotos tue ich viel, schleppe gern meine schwere Fototasche mit der Spiegelreflexausrüstung um die Welt.

Panasonic Lumix GM1

Panasonic Lumix GM1

Doch nicht immer darf die große Tasche mit und seit ein paar Monaten gibt es weiteren Bedarf: Das bewegte Bild in Full HD für die ersten Schritte von Junior oder für Workshop-Videos. Leider ist es gar nicht so einfach, alle Ansprüche unter einen (bezahlbaren) Hut zu bekommen.

Sony QX10 & WX220

Angekündigt als “Ansteckkamera” fürs Handy hat die Sony QX10 mich fürs Filmen angefixt. Dabei handelt es sich eigentlich um eine displaylose Schnappschußkamera, die raffiniert per WLAN vom Handy gesteuert wird. Beim Fotografieren sind die verrücktesten Perspektiven möglich (zum Beispiel am 1-Bein-Stativ knapp über eine Wasseroberfläche halten). Und dann kommt Sohnemann — schon seit Super-8-Film-Zeiten der Grund, bewegte Bilder aufzunehmen.So habe ich das Full-HD-Video für mich entdeckt. — Doch die Kombination mit der QX10 ist gerade bei flinken Krabblern oft nicht schnell genug startbereit.

Was geht als Alternative? Nein, ich werde keine Spiegelreflexfotokamera zum Filmen verwenden. Ich bin froh, daß meine EOS 50d das gerade nicht kann. Ungeachtet dessen wäre sie mir für die Erinnerungsfilmerei auch zu unhandlich — und ich hätte wieder die große Fototasche zu tragen. Überraschungskandidat: Die Sony WX220 liefert Full HD 50p und reißt kein großes Loch in den Geldbeutel. Der Zoom springt nicht, auch der AF ist in Ordnung. Mit der Videofunktion bin ich sehr zufrieden. Doch wenn man schonmal eine Kamera dabei hat, nutzt man gelegentlich auch die Fotofunktion. Wie bei vielen Schnappschußkameras ist RAW leider nicht vorgesehen und JPG scheint in diesem Modell mit besonders unvorteilhaften Parametern konfiguriert zu sein. Für Erinnerungsbilder reicht es, doch enttäuscht die Qualität immer wieder im Detail.

Sony, Samsung, Fuji, Leica, Canon, Nikon…

Inzwischen gibt es eine Menge spiegelloser Systemkameras, deren Einstiegs- oder Kompaktmodelle in der Größe kaum von einer Schnappschußkamera zu unterscheiden sind, im Innenleben aber eher mit Spiegelreflex konkurrieren (wollen). Und überall geistert das Schlagwort “Four Thirds” herum, das große Samsung NX, das wird wohl nix -- Ergebnisse (0) auf der deutschen Homepage.Vielfalt verspricht, weil Komponenten über Marken hinweg kompatibel sein sollen.

Samsung NX, das wird wohl nix — Ergebnisse (0) auf der deutschen Homepage. (Quelle: a. a. O.)

Doch bei näherer Betrachtung bleibt davon nicht viel übrig: Sony NEX ist nicht Four Thirds. Auch Samsung NX nicht — und zieht sich darüber hinaus aus dem deutschen Markt zurück (nach den Ultrabooks). Auch Nikon “1” kocht ein eigenes Süppchen, ebenso Canon M. Zwar könnte ich meine EF-Objektive mit einem “offiziellen” Adapter weitgehend auch an der M nutzen, doch dann habe ich ja gleich wieder einen riesigen Trümmer an der Backe. Auch Fuji X geht seinen eigenen Weg. Und Leica M liegt sowieso weit außerhalb meiner finanziellen Möglichkeiten (wobei mich das klobige Design der digitalen Modelle zusätzlich abschreckt).

Zum Schluß mußt du noch zwischen Four Thirds und micro Four Thirds (MFT) unterscheiden. Soweit ich weiß, gibt es Four Thirds — ohne micro — nur von Olympus, und es sind Spiegelreflexkameras. Micro Four Thirds sind dagegen spiegellos und gibt es nur von Olympus (Pen, OM-D) und Panasonic (Lumix). Habe ich einen Hersteller vergessen? Die große herstellerübergreifende Alternative zum Spiegelreflexsystem scheint es also nicht zu geben. Immerhin klappt der Austausch zwischen Olympus und Panasonic einigermaßen. Aber: Pansonic packt (wie übrigens Canon EOS) Bildstabilisierung meistens in die Objektive, Olympus an den Bildsensor. Das merkt man an einem deutlichen Preisunterschied bei den Objektiven zu Gunsten von Olympus.

Olympus oder Lumix: EP-L, GF oder GM?

Ich mache mich auf den Weg in die “Fachmärkte”, um mir Olympus und Lumix einmal aus der Nähe anzusehen. Olympus E-PL wird ja im Internet in rauen Mengen zwischen 150 Euro gebraucht und 480 Euro als Set mit zwei Objektiven angeboten (refurbished sogar für um die 250 Euro). Lumix sieht man seltener und ist deutlich teurer. In den Geschäften ist es bei meiner Stichprobe dagegen umgekehrt: Keine “Oly” live zu sehen, dafür viel Panasonic. Bei beiden ist es schwer den Überblick zu bekommen, zumal eine höhere OLYMPUS E-PL6 Systemkamera 16.1 Megapixel mit Objektiv 14-42 mm, 40-150 mm f/3.5 (Quelle: Ebay / Media Markt, Feb. 2016) Nummer nicht unbedingt eine “bessere” Ausstattung bedeutet.

OLYMPUS E-PL6 Systemkamera 16.1 Megapixel mit Objektiv 14-42 mm, 40-150 mm f/3.5
(Quelle: Ebay / Media Markt, Feb. 2016)

Wie bekommt man die Qualität einer Spiegelreflexkamera zusammen mit der Handlichkeit einer Kompaktkamera? Die Lösung ist eine spiegellose Systemkamera. Da gibt es eine große Auswahl und — weil sie eigetlich der Spiegelreflexkamera Konkurrenz machen wollen — auch viele dicke Brocken. Panasonic hat die Lücke erkannt und bietet mit den GF-Modellen recht kleine und preiswerte Modelle an. Wirklich taschentauglich ist erst die Lumix DMC-GM1, wo das Standardobjektiv fast das Gehäuse überragt. Einige Zeit liebäugelige ich mit der etwas preiswerteren GF-Reihe: Sie bietet ein klappbares Display für extreme Perspektiven und das Standardzoom 14 – 42 mm ist sehr kompakt. Auf der anderen Seite bietet die GM1 mit dem Focus Peaking eine gute Unterstützung, wenn man gelegentlich auch manuelle Objektive nutzen möchte.

Es gibt mit der GM5 noch einen sehr ähnlichen Bruder: Er bietet einen (Okular-) Sucher, aber mit m. E. bescheidener Qualität. Die Konstruktion hilft zwar als Zieleinrichtung bei starkem Sonnenlicht, aber man kann weder das Okular noch das große Display für spezielle Perspektiven schwenken (wie beispielsweise bei der GX7 bzw. GX8). Statt des eingebauten Mini-Blitzes der GM1 hat die GM5 einen Blitzschuh, für den ein kleines Blitzgerät sogar mitgeliefert wird. So hast du die Möglichkeit eventuell auch einen richtig leistungsfähigen Blitz anschließen.

Fazit Kamera suchen

Wer denkt, MFT bietet ein Dutzend Kameramodelle und entsprechend viele Objektive jeder Leistungs- oder Preisklasse, wird eines Besseren belehrt. Es bleiben nur Einzellösungen oder Lumix und Pen. Um die eingangs genannte Taschenkamera zu ersetzen, kristallisiert sich die Panasonic Lumix GM1 heraus.

Kompakte Taschenkamera Sony WX220 vs. ausgewachsene Systemkamera Lumix GM1.

Kompakte Taschenkamera Sony WX220 vs. ausgewachsener Systemkamera Lumix GM1 (mit Body-Cap-Objektiv).

Auch im Größenvergleich schneidet die GM1 gut ab: Links die Sony WX220 ist als besonders kleine Taschenkamera. Rechts ist die Lumix GM1 als Systemkamera mit wechselbaren Objektiven nur minimal größer (mit Gehäusekappen-“Objektiv”). Neben der technischen Ausstattung gefällt mir auch der Retrolook einer Meßsucherkamera, wozu auch ein paar Einstellrädchen gehören, so daß du dich nicht immer durch die Menüs wurschteln mußt.

Diser Bericht gehört zu einer Artikelserien mit vier Teilen — bald geht es mit dem Praxistest weiter…

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