Streetfotografie

Wenn in 50, 100 oder 500 Jahren jemand die Fotografien unserer Zeit auswertet, wird er möglicherweise 1.000.000.000 Bilder finden, die Mama am Strand, vor dem Eiffel-Turm oder Papa beim Grillen zeigen. Eingang zur U-Bahn-Station Steintor (Hannover)Doch wie ist/war das “normale Leben” auf der Straße? Wie sah die Stadt aus, bevor die 99. 08/15 “Mall” einen ganzen Wohnblock platt gemacht hat? Wie sehen Gegenstände des Alltags aus, wo kaufen wir Dinge des täglichen Bedarfs? — Das alles können Motive der Straßenfotografie sein.

Eingang zur U-Bahn-Station “Steintor”.

Wie froh (mit allem Respekt) sind die Forscher über Pompej, wo eine ganze Stadt durch einen überraschenden Vulkanausbruch in einer Art Momentaufnahme konserviert wurde — und eben nicht das prunkvoll inzinierte Leben der Herrscher.

Fotografieren, was andere für langweilig halten und der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten, ist Aufgabe der Streetfotografie . Einfach, aber dennoch anspruchsvoll…

Schon in der 1930er wird sie von Fotografen dank der Kleinbildkamera gepflegt, die gegenüber den Vorgängern Mobilität bedeutet. Seit ein paar Jahren erscheint der “Hannover”-Kalender mit Bildern des Fotografen Wilhelm Hauschild (1902 – 1983), der ebenfalls viele Szenen des Alltags festgehalten hat. Leider ist das heute nicht mehr ganz so einfach, denn obwohl das Bild in Zeitung, Fernsehen usw. allgemein akzeptiert ist, werden immer mehr Hürden aufgestellt: In Touristenregionen soll man eine Fotografiererlaubnis kaufen, Musikveranstalter wollen sogar Journalisten das Berichten verbieten oder aus einer Menschenmenge kommt eine einzelne Person und will dich über das Recht am eigenen Bild belehren…

Trotzdem ist Straßenfotografie ein interessantes und m. E. sogar kulturell wichtiges Genre, dem nicht nur berühmte Fotografen nachgehen sollten.Auf der Straße nach einem Regenguß. Die Website WNYC widmet der “Street Photography” den speziellen Bereich “Street Shots”, wo sich einzelne Fotografen vorstellen und ein wenig bei der Arbeit beobachtet werden. — Leider bestätigt mancher die Vorbehalte gegenüber der Streetfotografie, auch wenn er der berühmten Magnum-Agentur angehört. Es gehört bei diesem Genre eben nicht nur das Gespür für das gute Foto dazu, sondern auch für den Umgang mit den Menschen (denn aus meiner Perspektive will man nur den Alltagstrubel darstellen und niemanden schlecht aussehen lassen, aber dennoch möglichst individuell).

Auf der Straße nach einem Regenguß…

Die Bilder dieses Beitrages sind mit einer kleinen Canon Powershot entstanden. Dazu kommt die (Wieder-) Entdeckung des Schwarzweißbildes. Dabei ist die Kamera oft direkt in den Schwarzweiß-Modus geschaltet, was die Beurteilung der Bildwirkung schon während der Aufnahme ermöglicht (weil das elektronische Sucherbild dann auch schon schwarzweiß ist). Langfristig solltest du aber Farbe fotografieren und manuell schwarzweiß umwandeln . Dabei läßt sich dann der Effekt von den üblichen Gelb- oder Rot-Filtern nachahmen, womit man die grafische Wirkung der Aufnahmen herausarbeiten kann.

Auf der Rolltreppe.

Rolltreppe zur U-Bahn-Station “Kröpke”.

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