Schwarzweiß ist nicht gleich schwarzweiß

Obwohl — oder: weil — inzwischen jede Kamera “bunt” kann, erlebt die Schwarzweiß-Fotografie eine Renaissance. Dort gilt das Motto “weniger ist mehr”, denn durch das gezielte Weglassen von Farbe gewinnen Formen, Strukturen und letztlich die Bildaussage an Gewicht. Sehr beliebt ist dies beispielsweise bei der Straßenfotografie.

Farbiges Originalbild eines Insekts Insekt als Graustufenbild Graustufen per Kanalmixer anpassen Insekt als Schwarzweißbild ohne Bearbeitung Schwarzweißbild mit Dithering

Farbiges Originalbild eines Insekts sowie als Graustufenbild, per Kanalmixer bearbeitet, als echtes Schwarzweißbild und zuletzt mit Floyd-Steinberg-Dithering.

Doch wie macht man Schwarzweißfotos? Das einfachste ist es, die Digitalkamera auf den Schwarzweiß-Modus umzustellen. Das hat sogar den Vorteil, daß man auf einem elektronischen Sucher bzw. Display gleich den Bildeindruck beurteilen kann. — Es hat aber auch einen Nachteil: Man verschenkt die Möglichkeit des Farbbildes, Variationen und Kontrolle — auch bei Schwarzweißbild! Denn: Wie ein farbiges Bild in schwarz, weiß und vor allem Grautöne umgesetzt wird, ist nicht von Gott gegeben. Dahinter steckt eine relativ “beliebige” technische Zuordnung — die aber einem engagierten Fotografen eine Menge Möglichkeiten bieten kann. Das Zauberwort heißt “Kanalmixer”.

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Fotograf und Computertechniker haben außerdem von “schwarzweiß” unterschiedliche Vorstellungen: Streng genommen besteht auf dem Computer ein Schwarzweißbild tatsächlich nur aus schwarzen Punkten auf einer weißen Fläche (1 Bit Farbtiefe). Für den Fotografen gehören zu “schwarzweiß” ganz selbstverständlich auch graue Zwischentöne (Halbtonbild) — was die Computertechnik entsprechend Graustufenbild nennt (8 Bit Farbtiefe).

Wenn man nun in Photoshop oder einen anderen Bildbearbeitungsprogramm ein Farbbild oder auch schon ein Graustufenbild einfach auf “echtes schwarzweiß” mit nur 1 Bit Farbtiefe umschaltet, ist das Resultat in der Regel enttäuschend. Es wird meist im Bereich zwischen Scherenschnitt und falsch belichtetem Röntgenbild liegen. Die Holzhammermethode erreicht man beispielsweise mit Irfanview über “Bild | Farbtiefe reduzieren… | 2 Farben”. Aber auch hier kann man schon mit den Einstellungen “Floyd-Steinberg-Dithering” und “Graustufen erstellen” das Resultat deutlich verbessern. — Diese Reduzierung schlägt sich auch in den Dateigröße nieder.

Typ Größe in Byte Bit pro Pixel
Farbbild

12.267.520

24 (16 Millionen Farben)
Graustufen

4.038.656

8 (256 Graustufen)
Schwarzweiß

483.328

1 (schwarzweiß)

Mit “echtem” Schwarzweiß kann man mächtig Speicherplatz sparen.

Das Geheimnis liegt im sog. Dithering, einer Methode mit der schwarze Punkte auf der weißen Fläche so angeordnet werden, daß im Auge des Betrachters ein Grauton entsteht. Bekannt ist das Verfahren nach Floyd Steinberg. Auch die Tageszeitung trickst bei Schwarzweißfotos mit schwarz und weiß. Dort werden allerdings unterschiedlich große Punkte verwendet (Rasterung).